Dass sich die quirlige Wienerin bei uns wohlfühlt, ist erstaunlich. Aber Michaela Reichel kann ihre Liebe zur Gallusstadt rasch begründen: «Das Textilmuseum ist ein interessantes Haus mit einer tollen Sammlung.» Mit der aktuellen Ausstellung «Kirschblüten und Edelweiss» hat die Direktorin die Herzen der Besucher erobert – eine Verbindung zwischen der ostschweizerischen Textilindustrie und dem asiatischen Raum herzustellen, ist schlicht genial. Reichels Affinität zu Geweben kommt nicht von ungefähr: «Meine Vorfahren haben für die Haute Couture geschneidert.» Sie bewahrt sogar deren Nähutensilien auf. Noch etwas fasziniert Reichel an der Ostschweiz: «Die Ernsthaftigkeit, mit der gearbeitet wird – den Schlendrian gibt es hier nicht.» Das ist Balsam für eine Region, die manchmal als retardiert bezeichnet wird.